![]() |
![]() |
Gemeinschaft zur Erhaltung
von Kulturgut in Tornesch von 1985 e.V. Mitglied im Schleswig-Holsteinischen- Heimatbund ( SHHB) |
||||||||||||||||||||||||||||
| Die Pinnau - Eine Serie vom Verein Historisches Uetersen | AKTUELLES: | |||||||||||||||||||||||||||||
|
EIN FLUSS PRÄGT EINE STADT – HERAUSGEGEBEN VOM VEREIN HISTORISCHES UETERSEN TEIL IX
Die
Pinnau Von
der Klappbrücke bis zur Drehbrücke Mit
dem Bau des Stichhafens begann der wirtschaftliche Aufschwung in
Uetersen.
Von
Marlen Sönnichsen Die Hohe Brücke bis 1930 bestand sie überwiegend aus Holz, danach durch eine Betonbrücke ersetzt wich 1953 einer modernen Zug bzw. Klappbrücke. Sie wurde am 3. Juli 1953 im Beisein des Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten Friedrich Wilhelm Lübke und zahlreicher anderer Vertreter der Ministerien des Landes sowie hoher Persönlichkeiten des Kreises Pinneberg und der Stadt Uetersen auf den Namen "Oswald Dittrich Brücke" getauft. Benannt wurde sie nach dem damaligen Generaldirektor der Norddeutschen Papierwerke, Oswald Dittrich, dem eigentlichen Schöpfer der gesamten Betriebsanlage. Gleichzeitig bauten sich die Papierwerke einen eigenen Kai mit Krananlage am Bollwerk, und jetzt konnten die mit Holz beladenen Schiffe aus Skandinavien, auch solche mit höheren Aufbauten, direkt an den Werksanlagen gelöscht werden.
Wirtschaftlich gesehen war das Umladen der Schiffsfracht
auf die Straße, auf Lastkraftwagen, gerade für die
Uetersener Hafenanlagen von größter Bedeutung. 1952 wurde
der Hafen zwischen Anlegestelle Klosterdeich und der neuen
Klappbrücke ausgebaggert, ebenso der Löschplatz der
Norddeutschen Papierwerke. 1953 ließ die Stadt die schadhafte,
67 m lange Betonwand des Kais im Stichhafen durch eine Stahlspundwand
ersetzen, die eine wesentlich längere Lebensdauer garantieren
sollte. Während 1953 der Umschlag im Hafen noch 35.600 Tonnen
betrug,
Der Stichhafen
Uetersen stieg die Tonnagezahl der umgeschlagenen Güter von Jahr zu Jahr. 1957 wurden rund 200.000Tonnen Güter im Hafen gelöscht. 1961 machten etwa 1700 Küstenmotorschiffe in Uetersen fest und schlugen rund 240.000 Tonnen um. Kein anderer Binnenhafen Schleswig Holsteins verzeichnete bis dato solch einen Güterumschlag wie der Uetersener Hafen. 1963 wurde er zu einem miteisernen Spundwänden und Ladestraßen versehenen Umschlagplatz ausgebaut. Das Hafenbecken hatte nun eine Länge von 240 Metern und eine Breite von 40 Metern. Die Größe der Wasserfläche betrug 9.600 Quadratmeter, die Wassertiefe 3 Meter.
1971
legten 2000 Schiffe an
An den 440 Meter langen Kaianlagen waren seit 1966 zwei
Kräne zum Löschen der Ladungen in Betrieb. Wie richtig
diese Maßnahmen waren, bewies der große Anstieg des
Güterumschlages in den kommenden Jahren.
Neben den beiden Hauptbenutzern des
Hafens, der „Feldmühle“ und der
„Hauptgenossenschaft“ ließ vor allem die
Bauindustrie große Mengen von Baumaterialien auf dem Wasserweg
nach Uetersen und in die nähere und weitere Umgebung
transportieren. 1971 legten rund 2000 Schiffe im Hafen an(das sind
mehr als 5 pro Tag) und bewegten fast 300.000 Tonnen Frachtgüter.
Für 50 See und Binnenschiffe war Uetersen Heimathafen.
Ihre Eigner, Kapitäne und Mannschaften, wohnten in Uetersen,
Tornesch, Moorrege und in der Haseldorfer Marsch. Heute, 30 Jahre
später, gibt es nur noch zwei Schiffe, die den Heimathafen
"Uetersen" tragen: die "Marlies" von
Binnenschiffer Kai Schmahl, die nach seiner Mutter benannt ist, und
die "Odin" von Klaus Falinski, die auf dem Rhein fährt.
Die zunehmende Verschlickung des Stichhafens verursachte mehr und mehr Probleme bei der Zu- und Abfahrt von Frachtschiffen.
1963, 1976, 1979 und 1989/90 ließ
die Stadt Uetersen das Hafenbecken entschlammen, da vollbeladene
Küstenmotorschiffe den Hafen wegen zu geringer Wassertiefe
wieder und wieder nicht anlaufen konnten. Der ölhaltige Schlick
wurde auf dem Gelände des ehemaligen Müllplatzes gelagert.
Die Baggerarbeiten, insbesondere im Jahre 1990, waren mit großen
Schwierigkeiten verbunden, Gerümpel und Steine behinderten
das Pumpen. Der Saugbagger brachte nicht den gewünschten Erfolg.
Der Hafen konnte von Frachtkähnen wegen zu geringer Wassertiefe
nicht mehr angefahren werden, der Warenumschlag wurde auf die Straße
verlegt. Dazu kam, dass der bisher größte Nutzer des
Stichhafens, die Raiffeisen Ha Ge, im September 1992 seine
Tore schloss.
Seit der Zeit ruht jeglicher gewerblicher Schiffsverkehr
im Uetersener Hafen. Das Hafenbecken verschlickt zusehends. Wenn die
Frachtschiffe, die das Papierwerk STORA ENSO beliefern, im Stichhafen
wenden, wird zusätzlicher Schlick aufgewirbelt, der sich in der
Hafeneinfahrt wie eine Insel ablagert. Von Zeit zu Zeit befassten
sich städtische Gremien mit der Zukunft des Hafengeländes.
Es wurde darüber diskutiert, ob das Hafenbecken zugeschüttet
werden oder Regenrückhaltehecken werden sollte. Jeglicher
Frachtverkehr ist inzwischen vom Schiff auf die Straße verlegt
worden und die Infrastruktur am Hafen ist nicht mehr benutzbar. Wirrwarr negativer Eindrücke
Im Jahre 2001 beauftragte die Stadt
unter Bürgermeister Karl Gustav Tewes die Planungsgruppe HASS
aus Rellingen mit der Erstellung eines Entwicklungskonzepts für
den Hafenbereich. Die Aufgabe von Dipl. Ing. Joachim Ulrich
Haß und seines Teams war es, das Gebiet um den Stichhafen zu
überplanen, brachgefallene Grundstücke und das Hafengebiet
wieder zum Leben zu erwecken und alles in einen gesamtstädtischen
Zusammenhang einzubinden.
Ein wahrlich nicht leichtes Unterfangen, denn wie zeigt
sich das Areal heute? Auf ca. 26 Hektar Fläche findet der
kritische Betrachter zunächst ein Wirrwarr negativer Eindrücke:
leerstehende, vor sich hinrottende Bauruinen, ein zugeschlicktes,
stinkendes Hafenbecken, eine überwachsene Mülldeponie mit
eventuellen ungeahnten Altlasten, mangelhafte Substanz bei einigen
vorhandenen Bauten, LKW Abstellplätze, keine Verknüpfung
mit der Innenstadt, keine Fuß und Radwege, holperige
Pflasterung und schlechte Straßen überhaupt. Dazu der
städtische Bauhof, das Einheitserdewerk, der Yachthafen des
Wassersportvereins Uetersen und die Kleingärten.
Zukunftsvision
für das Hafengelände
Mit einem Güterumschlag von 240.000 Tonnen lag
der Uetersener Hafen im Jahre 1961 an der Spitze aller
schleswig holsteinischen Binnenhäfen. Hier warten mit Holz
beladene Frachtschiffe am Anlieger der Papierfabrik. Foto: Archiv
Historisches Uetersen
Entwicklungsziele sind: Stärkung der Identität
Uetersens als Stadt mit Hafen, Schaffung von Wohnraum unter dem
Stichwort: Wohnen am Wasser, dazu nicht störendes Gewerbe und
Dienstleistung, ein attraktives Freizeitangebot am Hafen zur
Naherholung, Sicherung der maritimen Struktur, kulturelle
Freizeitnutzung an der Ostseite des Stichhafens und insgesamt die
Entwicklung des Stichhafens zur Steigerung der Attraktivität,
der Wirtschaftskraft, des Arbeitsmarktes, der kulturellen Angebote
und der Lebensqualität in Uetersen.
Durch folgende Einzelmaßnahmen will die
Planungsgruppe HASS die Vision Wirklichkeit werden lassen: Wanderwege
entlang der Pinnau, qualitativ hochwertiges, maritimes Wohnen im
Grünen und Neuansiedlung von Dienstleistung und nicht störendem
Gewerbe, Umnutzung der Silogebäude (z.B. als
Jugend /Kulturzentrum) und Umnutzung der ehemaligen
Berufsschule, Einbindung in das Projekt "Maritime Landschaft
Unterelbe", Freizeitnutzung Bootsport im Stichhafen, Fluttor,
Gästeanleger für größere Boote, Anleger für
Ausflugs Barkassen, Sitzstufen am Hafenhecken, Promenade entlang
des Beckens, Cafes, Bootsanleger, und ein Freizeit und
Erlebnisbad an zentraler Stelle in den Pinnauwiesen. Mit Beschluss vom 21. Juni 2002 hat die Uetersener Ratsversammlung dem Entwicklungskonzept für den Hafenbereich grundsätzlich zugestimmt. Trotz knapper Kassen lässt die Stadt im kommenden Jahr für 232.000 Euro zunächst den Stichhafen ausbaggern, weil sie sich davon touristische Vorteile erhofft. Eine "Initiative Hafen Stadt" aus acht engagierten Bürgerinnen und Bürgern der Region, die sich kürzlich gründete, startete im November 2003 mit einem groß angelegten maritimen Live Spektakel in acht Uetersener "Hafenkneipen" mit der Verwirklichung ihrer Pläne: Impulsgebung und Forcierung einer freizeitkulturellen und architektonischen Neubelebung des Hafengeländes.
|
![]() ![]() ![]() |
||||||||||||||||||||||||||||
| ◄ zurück - weiter ► | ||||||||||||||||||||||||||||||
|